Hoffnungslose Liebe

Warten auf Viviana

 

Als ich ihre Stimme höre, erschrecke ich, so sanft ist sie, kein Raum für männliches Gehabe, Hieb und Stich, Sieg oder Untergang, nein, nur weiche weibliche Anmut, fließendes Fliehen flehender Flüsse. „Wo bist du?“ frage ich und sie sagt „Im Bus, ganz nahe der amerikanischen Grenze, auf dem Weg zu dir“ „Ja“, sage ich, „ich habe auf dich gewartet, schon lange, endlich werden wir uns wieder sehen.“

 

Ich höre Geräusche, munteres Gerede, eine Kinderstimme, ein hemmungsloses Lachen, und ich stelle mir vor, dass sich im mexikanischen Bus die Menschenkörper aneinanderdrängen und sage “Ich hoffe kein schmieriger Typ bedrängt dich, kein aufdringlicher Cabrón, der dich mit seinen Blicken verstohlen auszieht und sein Knie an deinem reibt“‘ und sie sagt, “nein , nein, das sind alles gute Leute hier, lebhaft eben“, und ich überlege mir, ob ich eifersüchtig werden soll auf dieses Volk. Und ich denke, sie ist ein gutes Mädchen, sie lässt sich nicht von geilen Cabrones belästigen und hält keusch ihre Beine zusammen, für mich, ja nur für mich.

 

„Wann wirst du hier in Santa Monica sein“, sage ich dann und sie sagt „in ungefähr vier Stunden, ojalá, so gegen halb drei“, und diese vier Stunden sollen sich einritzen in meinem Gedächtnis, unverlöschlich eingraben, ein Versprechen, ein Anspruch, unveräußerlich. „Das ist gut“, sage ich, „wir können uns in der Lobby des Fairmont Miramar Hotels treffen, das ist leicht zu finden, gleich an der Ocean Avenue“. „Wo ist Ocean Avenue?“ fragt sie und ich lache und sage, „am Pazifik entlang natürlich, da wo der Wilshire Boulevard aufhört, wenn du dort weitergehst, fällst du ins Meer“. Sie lacht jetzt auch, ein freies, sorgloses, hüpfendes, umarmendes Lachen, nur eben ferne, ooh, sie ist ja noch in Mexiko, es hört sich fast an wie von einem anderen Planeten. Dann fließen wieder die Worte aus ihrem weichen Mund, „ich werde kommen und bei dir bleiben“, sagt sie „und wir werden uns entdecken, ja, ein aufregendes Leben feiern, eine Freundschaft, eine Romanze, eine Liebe, eine abenteuerliche Reise in Gegenden, die wir noch nie zuvor betreten haben“, und ihre träumerischen Versprechen strömen über ihre vollen Lippen, ihre feuchten und klebrigen Lippen, so wie ich sie ja von unserer ersten Begegnung in Erinnerung habe. Und ich stelle mir jetzt vor, dass ihr oberer Mund ihrem unteren gleicht, nass und weich wie eine Nacktschnecke.

 

Meine Sinne schwimmen mir davon und ich sage „und ich werde dich in unbekannte, betörende Bereiche jenseits deiner Vorstellungskraft führen und ja, ich werde immer da sein für dich und dich lieben bis ans Ende der Welt“.

 

„Wir können uns im Innenhof des Hotels niederlassen und ganz entspannt sein und ich werde dir die Koifische zeigen im Teich, und die Schildkröten, die red-eared sliders.“ „Ja“ sagt sie, „ich freue mich darauf, und ich werde es schon finden, das Hotel, und wenn ich ankomme, rufe ich dich gleich an“.

 

Ich denke mir die vier Stunden kann ich gut ausfüllen, und nach einer Weile verlasse ich meine Höhle und wandere im Palisades Park umher. Es ist eine sonniger Sonntagnachmittag im Spätsommer, und ich lasse meinen Blick von den Palisaden zum Meer hin schweifen, das ruhig und friedlich vor meinen Augen dahinträumt, glatt wie ein See fast, nur ein leichter Wellengang, und dann gleiten meine Augen zur Landzunge von Point Dume hinüber und bleiben am nahegelegenen Back on the Beach Cafe am Strand hängen, und ich träume davon, wie wir uns später dort ausbreiten werden, und ihr flockiges Lachen die Luft auflockern und zum Meer hinuntertanzen und dort aufgesogen werden wird vom kosenden Wasser.

 

Viviana heißt sie, eigentlich Vivian, aber ich nenne sie Viviana, wegen unserer hispanischen Verbindung. Ich lernte sie zuerst als kleinen schwarzen Punkt in Yucatán kennen, in der Mittagssonne auf dem langen, staubigen menschenleeren Weg, der von den Cabañas am Strand zu den Ruinen von Tulum führt. Es war im Frühling, und ich kam gerade von den Ausgrabungen am Meer zurück, während sie sich mir aus der entgegengesetzten Richtung näherte, und als wir uns trafen, hatte ich ein gebräuntes Mädchen vor mir mit langem dunklem Haar und grünen Augen und vollen Lippen, und ja, ihrem feuchten Mund, der mir gleich auffiel.

 

Erst sprachen wir Spanisch, aber wir entdeckten gleich, dass wir beide aus Deutschland stammten. „Wo hast du so gut Spanisch gelernt?“ fragte ich und sie sagte, „ich habe ein andalusisches Herz, un corazón de Andalucía.“ Das faszinierte mich, habe ich doch selbst einen andalusischen Hintergrund. Wir erkannten uns als verwandte Seelen und umarmten und küssten uns auf die Wangen, ohne zu reden….zwei verlorene Wanderer auf einer fremden, staubigen Straße, die nach Liebe gierten.

 

Aber unsere Wege liefen in verschiedene Richtungen. Sie wollte die Ruinen besuchen und ich wollte eine Cabaña mieten. Natürlich gab es für mich keinen vernünftigen Grund, umzukehren und sie zu den Ruinen zu begleiten. Sollte ich etwa mit ihr laufen wir ein verlorener Hund, der sich an das erste Wesen klebt, das ihn freundlich behandelt? Später, in den Cabañas am Nachmittag, tauchte sie wieder auf. Wir küssten uns auf den Mund, leichte, fliehende Küsse auf ihren feuchten Mund, noch mehr freundschaftlich als leidenschaftlich, doch voller süßer Versprechen.

 

Aber dann war es Zeit für sie aufzubrechen.

 

Im Rückblick waren einfach die Umstände widrig, ja, die Umstände. Sie war auf dem Weg nach Norden, nach Cozumel und Río Lagartos, während es mich nach Süden trieb, den dunklen Urwäldern der Bahía de Chetumal und den mondglitzernden Seen Belizes entgegen. Wir waren wohl beide zu stolz, zu unabhängig und zu sorglos, um unsere Pläne zu ändern. Bevor sie verschwand, lud ich sie ein, mich demnächst in Santa Monica zu besuchen und traurig-frei liefen wir auseinander.

 

Danach schrieben wir uns fast täglich und sprachen am Telefon und mit der Zeit wurden unsere Gespräche tiefer und leidenschaftlicher. Wir wussten beide, dass wir uns wieder sehen mussten, aber zuerst galt es einmal zu warten, Tage, Wochen, sogar Monate, denn sie wohnte in Deutschland und, ihr wisst schon, in Deutschland ist man beschäftigt.

 

Jetzt warte ich also wieder, diesmal im Palisades Park, und kurz vor halb drei gehe ich rüber ins Hotel. Es ist ein schönes Hotel mit einer breiten parkähnlichen Einfahrt mit Jasmin, Margariten, Bougainvillea, Birds of Paradise und Palmen auf beiden Seiten und in der Mitte einem riesengroßen Feigenbaum, dessen Krone die ganze breite Zufahrt überschattet. Eine Umgebung, die einlädt sich des Lebens zu erfreuen, gemacht für die Liebe. Ich gehe runter ins Foyer, aber sie ist noch nicht da.

 

Ach, denke ich, es ist noch früh und dann erinnere ich mich, dass sie ja anrufen wollte. Nachdem eine halbe Stunde vergangen ist, überlege ich mir, dass es Sonntag ist heute, und niemand weiß, was an der überlaufenen San Ysidro Grenze vor sich geht, und dass überdies die Busverbindungen schlecht sind.

 

Ich schaue im Foyer in die Runde…..eine Muslima mit Kopftuch die lebhaft auf ihren Sohn einredet…eine attraktive junge Frau im Minirock, ihr Freund kommt auf sie zu, ein angespannter Wortwechsel, er entfernt sich abrupt und sie schaut ihm irritiert nach. Ich kann schon sehen, dass es zwischen den beiden nicht stimmt, und die Frau tut mir leid. Warum sich streiten, wenn die Welt so freundlich ist? Wo ist mein Mädchen? Ich rufe sie an, aber sie nimmt nicht ab. Ein Stau an der Grenze? Schwierigkeiten bei der Kontrolle? Ein Missverständnis? Ein Versehen? Gar ein Unglück?

 

Ich bin bereit zu warten und das tue ich auch. Es sind nun inzwischen schon viele Stunden vergangen, aber ich warte, was soll ich sonst tun? Langsam vergehen Tage, Wochen und ich warte und warte immerfort. Ich bin ja entschlossen auf alle Ewigkeit zu warten. Ich gehe morgens ins Hotel und abends und nachts, fast übernachte ich dort, freunde mich an mit den Portiers und den Frauen am Empfang. Ich vertreibe mir die Zeit, schaue hilfesuchend durch die Gegend, aber ich weiß schon, niemand kann mir hier helfen. Ich beschäftige mich so gut ich kann, wechsle Geld an der Rezeption und unterhalte mich mit den Angestellten und Gästen, besuche das vornehme Restaurant, benütze das Swimming Pool und den Health Club. Ich lade auch meine Freunde ein, und wir spielen Schach im Foyer.

 

Nach einer Weile stellen sich meine ersten Verabredungen mit Frauen ein, schöne Frauen, hässliche Frauen, kalte Frauen, die nichts von mir wissen wollen, degenerierte Frauen mit winzigen Schoßhunden, Frauen, die auf das Geld aus sind, das ich nicht habe und Frauen, die mir Liebe versprechen aber mein Herz nicht erreichen, Frauen, die mir ihren Mund anbieten und ihre Brüste und ihre Schenkel…

 

Doch um ehrlich zu sein, es bedeutet mir nichts, es ist wie ein Spiel, ein Zeitvertreib. Oder ein Film, den ich als ferner Zuschauer verfolge. Meine wirkliche Sehnsucht gilt Viviana.

 

Sie erscheint nicht mehr.

 

Am Telefon ist sie auch nicht zu erreichen. Was ist geschehen, wo bist du geblieben? frage ich mich. Warum bist du nie angekommen? Warum hast du dich nicht mehr gemeldet? Eine Verschwörung? Eine Entführung? Ein Verbrechen? Ein Mord? Wo bist du jetzt? Was machst du gerade in dieser Minute, dieser Sekunde? Ach, ich habe immer auf dich gewartet, immer und überall.

 

Und wie die Zeit vergeht, wird sie wieder zu dem verschwommenen Punkt in der Ferne auf der langen, staubigen, menschenleeren Straße in Yucatán, die zu den Ruinen von Tulum führt und zu den Cabañas am Strand. Zu dem Punkt, als dem ich ihr zuerst begegnete.

 

Aber diesmal kommt dieser Punkt nicht mehr näher.

 

 

© Maniwolf – Deutsche Original

Los Naranjos

 

Los Naranjos hieß die malerische Bucht gleich im Süden von Mulegé, in der ich am frühen Abend eintraf. Gerade als ich mich darüber wunderte, dass von Orangenstauden nichts zu sehen war, kam mir eine ältere Frau aus der langgestreckten Hütte entgegen, die ein buntes, handgemaltes Schild als Restaurant auswies. Neugierig wie immer fragte ich „Wo sind die Orangenstauden?“  „Aquí mismo“, sagte die Frau lachend, „ein Naranjo steht gerade vor Ihnen. Der Name der Bucht ist nämlich unser Familienname, wir heißen Naranjo. Hier wachsen zwar keine Orangen, dazu ist es zu trocken, aber sonst haben wir alles, was unsere Herzen begehren“. Das klang ja gleich recht einladend.

 

Dann kamen wir zur Sache. Señora Naranjo nannte mir die Übernachtungspreise für die Palapas, die sich vom Restaurant bis zum Meer hinunterzogen und auch für die ungehobelten Gebilde, die aus Balken, Schilf und Palmwedel zusammengebastelt waren und unter dem Namen Bungalows liefen. „Lassen Sie mich die Bungalows am Wasser sehen“, sagte ich, und nach einer Weile tauchte ihr Mann in einer schmutzigen, schwarzen Camioneta auf, und ich folgte ihm in meinem Geländewagen.

 

Er zeigte mir mehrere Bungalows, die am Strand lagen. “Bettzeug und Tischtuch werden gestellt“, sagte er, „und die Fensterklappen kann man nach Belieben hochziehen“. „Fensterklappen“? „Sí Señor“, sagte er, „im Spätjahr werden wir nämlich meistens von den tropischen Stürmen und sogar Hurrikanen überfallen, daher konstruierten wir die derben Fensterklappen, die halten das größte Unwetter aus“.  Er machte sich an einem der dicken Seile zu schaffen, die über Rollen an Wänden und Decke entlangliefen und eine der schweren, hölzernen Klappen bewegte sich nach oben und gab den Blick frei auf das Wasser, das in leichten, gleichförmigen Wellenbewegungen ans Ufer plätscherte. Ich entschied mich für einen geräumigen Bungalow mit zwei riesigen Fensterläden gleich am Wasser.

Nach einiger Zeit erschien Señora Naranjo wieder, diesmal in Begleitung einer jungen Frau. Mein Blick blieb gleich an diesem Mädchen hängen, einem schlanken, biegsamen indigenen Mädchen mit leuchtendem Gesicht und langem, schwarzglänzendem Haar bis zur Hüfte, schlicht und schön. Während die beiden den Bungalow für die Nacht herrichteten und mein Gespräch mit der Frau Naranjo dahinplätscherte, war mein Sinn vollkommen auf ihre junge Begleiterin gerichtet. Als sich unsere Blicke trafen, kamen mir neugierige Fragen aus ihren Augen entgegengelaufen wie eine Schar wildzahmer Katzen, die aus allen Ecken und Winkeln auf mich zuströmten, scheu und doch unwiderstehlich näher getrieben, mit der Sehnsucht sich an mir zu reiben.

 

Dies war ein langer, ereignisreicher Tag gewesen; ich war rechtschaffen müde, die Bucht mit dem Schilf am Ufer und den nahen Inseln gefiel mir, alles schien bestens bestellt, und jetzt glänzten mir darüber hinaus noch die Augen dieses Mädchens entgegen mit dem Versprechen, aus einem guten Tag, einen runden, geglückten, vollkommenen Tag zu machen, einen Tag mit einer erfüllten Nacht.  Hat nicht ein Mann, der einen anstrengenden Tag hinter sich hat und sich dem Abend zuwendet, natürlicherweise nicht nur ein Verlangen, sondern geradezu ein Recht auf die Liebkosungen einer schmiegsamen Frau?

Dies war das Gefühl, mit dem ich dem Mädchen voll und rückhaltlos in die Augen schaute. „Ich brauche dich nicht nur“, sagte mein Blick, „sondern ich habe dich auch verdient, ja, ich habe einen Anspruch auf dich“, und sie schaute ganz offen und unbefangen zurück, in leisem, willigem Einverständnis.  Ich starrte sie ja auch nicht an, vielmehr umarmte ich sie mit meinen Augen, streichelte sie, liebkoste sie, erkannte und entdeckte sie als reifes, erwachsenes Mädchen, das zur Frau erblühte. Komm näher sagte mein Blick und laut sagte ich mit weicher Stimme „¿Como te llamas?“ Und sie sagte „Soy Irma Lucía“ und etwas mexikanischer Stolz schwang in ihrer Stimme mit, ich konnte sehen, dass sie mit sich im Reinen war. Ich warf ihr ein freies, jungenhaftes Lachen entgegen, und während sich unsere Augen immerfort tief berührten, erkundigte ich mich nach den Namen der Strände und Inseln und die Worte kamen leicht und zart aus ihrem Mund daher geflossen. Es waren jedoch Fragen und Antworten, die auf der Oberfläche schwammen, und die Glut in ihren Augen verriet mir, dass sie mehr sagen wollte, eine ganze pralle Lebensgeschichte voller Träumen und Sehnen, die in ihrem Hals stecken blieb, weil die Señora Naranjo im Weg war, und zu der sagte ich, „das ist wohl ihre Tochter?“. „Aber nein“, lachte sie leicht geschmeichelt, „sie ist meine Enkelin und meine Gehilfin“. Als die beiden fertig waren, suchte ich wieder die Augen des Mädchens und mein Blick sagte: „Komm zu mir, später, besuch mich, ich werde auf dich warten“, und sie schien zu verstehen. Dann war sie weg.

 

Es war dunkel geworden und ich dachte was das Mädchen wohl anhatte unter ihrem Kleid, sicher einen Streifen von rauem, grobem Stoff zwischen ihren braunen Beinen. Wenn ein Mädchen so jung ist und so hübsch, ist jede Wäsche recht. Ich sah zum Wasser hin durch die weite, glaslose Luke und lauschte dem Rauschen der Wellen in der tropischen Nacht, und vor der gegenüberliegenden Insel sah ich in regelmäßigen Abständen ein Licht blinken, ein Signal offensichtlich, aber für wen, für was? Ich dachte jetzt müsste sie eigentlich kommen, und ich glaubte auch Schritte zu hören, aber als ich die Tür zur Landseite des Bungalows öffnete und nachschaute war niemand da. Ich wurde schläfrig, dachte daran wie ich das Mädchen zwischen ihren Beinen liebkosen wollte, immerfort streicheln, bis sie ganz nass würde und stöhnte, und irgendwann wurde ich dann ganz nass und stöhnte und schlief ein.

 

Aber was sah ich, als mich die frischglänzende Sonne am nächsten Morgen weckte und ich aus der Hütte trat, um mich ins Wasser zu stürzen? Da war etwas gemalt, geschrieben, in dem wochenalten Wüstenstaub auf der Motorhaube meines Campers. Irma Lucía Castro Naranjo stand da, von einem Kreis umrahmt, oder war es ein Herz? So hatte sie mich also doch gesucht, war wohl zu scheu gewesen, an der Hütte zu klopfen oder war ich zu unbedacht gewesen, die Tür die ganze Nacht offen zu lassen?

 

Einen Augenblick dachte ich daran, sie zu suchen. Aber nein, das Leben geht weiter und was gestern noch zeitlich und gefühlsmäßig vollkommen gewesen wäre, war heute nur ein vergebliches Stochern in verpassten Gelegenheiten. Ich hatte einen frischen Tag vor mir und die üppigen Palmenhaine von Mulegé riefen und lockten. Ich entschied, dass die Träume der verflossenen Nacht der Vergangenheit angehören sollten.

 

Ich sah sie nicht mehr. Aber ihren Namen auf meinem Kühler trug ich noch wochenlang umher. Manchmal wie eine Standarte, die mich stolz durch die Wüste zog, andere Male wie einen Schutzengel, der mich auf dem rechten Pfad hielt, wurde er allmählich zu einer leicht verwischten Schreibspur, bis er schließlich ganz unleserlich blieb im Staub, verweht in Raum und Zeit.

 

 

© Maniwolf – Deutsches Original